Historie
Friedliche Revolution in Bergholz-Rehbrücke


Seit Längerem brodelte es in der Gemeindevertretung und im Rat der Gemeinde und selbst SED-Genossen verweigerten dem Bürgermeister Heinz Riedel und der Instrukteurin des Rates des Kreises (hatte jeder Rat der Gemeinde, zur Überwachung der Umsetzung der Weisungen des Rates des Kreises bei Sitzungen am Tisch) die Gefolgschaft bei Abstimmungen zu vorgelegten Tagesordnungspunkten.

Es gab vorranging 2 Reizthemen:

Zum Ersten wurde Bergholz-Rehbrücke der Wohnraum (wie überall zwangsbewirtschaftet) von freigezogenen Einfamilienhäuser, deren Besitzer legal nach genehmigten Ausreiseersuchen in die Bundesrepublik ausgezogen waren, nicht gemäß Warteregister und Dringlichkeitslisten an Wohnungssuchende vergeben, sondern an Erwerbswillige der Immobilie, die im Vorfeld des Ausreiseverfahren nach Ermessen des Rates des Kreises ausgewählt wurden, und i.d.R. Eigentümer wurden, überlassen.
Der Bürgermeister verteidigte diese Verfahrensweise mit einem angeblich bindenden Beschluss des Rates des Kreises.
Diesen Beschluss gab es nicht, sondern nur eine mündliche Weisung des Vorsitzenden des Rates des Kreises in einer Bürgermeisterberatung.
Das haben wir recherchiert und den Bürgermeister zur Rede gestellt.
Im Ergebnis der Aussprache haben wir eine öffentliche Entschuldigung für diese Falschaussage in der Gemeindevertretersitzung verlangt. Ein Eklat erster Güte für damalige Zeiten.

Zum Zweiten gab es eine längere Auseinandersetzung um die Standortentscheidung für den neu zu bauenden Zentralschlachthof des Bezirkes Potsdam der als Ersatz für den total maroden Schlachthof an der Leipziger Strasse in Potsdam notwendig geworden war.
Die Plankommision des Rates des Bezirkes Potsdam hatte einen Standort an der Bahnlinie Michendorf-Rehbrücke-Wannsee in Höhe des Springbruch (heute nahe Reiterhof Fischer) ins Auge gefasst.
Sicherlich mit Hinblick auf die vorbeigehende Güter-Transit-Bahnlinie nach Westberlin, da ein hoher Anteil der Schlachtprodukte devisenträchtig nach Westberlin geliefert wurden.
Für Bergholz-Rehbrücke hätte das bedeutet, dass wir mit der Hauptwindrichtung aus Westen, aus den Ravensbergen, die Geruchsemmission dieser Produktionsstätte täglich zu spüren bekommen hätten.
Selbst die SED-Genossen am Ratstisch wollten das nicht und fürchteten den Volkszorn der Bürger.
Folglich verweigerten wir die erforderlichen Beschlussfassungen im Rat der Gemeinde.
Eine Situation, die die Funktionäre der Kreis und Bezirksebene so nicht kannten und folglich relativ hilflos machte.

Mehrere Bürger verfassten Eingaben an den Rat des Bezirkes und an den Staatsrat.
Das führte zu mehreren Bürgerversammlungen im Saal des Institutes für Getreideverarbeitung, unserem früheren Tagungsort der Gemeindevertretung, bei denen oftmals die Stühle und Stehplätze nicht ausreichten (selbst für die Genossen der Bezirksebene nicht).
In der Gemeindevertretersitzung, die logischerweise diese aktuellen Sachthemen auf der Tagesordnung hatten, und die unter emotionalen Diskussionen und Zwischenrufen der zahlreich anwesenden Bürger geführt wurde, stellte spontan der Bürgermeister die Vertrauensfrage. Er bekam nur 2 Ja-Stimmen (von den ca. 30 anwesenden abstimmungsberechtigten Gemeindevertretern).
Somit erklärte er öffentlich seinen Rücktritt.

Folgerichtig kam im Saal die Frage „Wer wird denn nun unser Bürgermeister?“
Als „Rädelsführer“ kam mein Name schnell ins Kalkül.
Da ich auch die notwendigen Voraussetzungen nach geltenden Kommunalwahlrecht erfüllte, wurde ich  im November 1989 in einer kurzfristig formgerecht einberufenen Gemeindevertretersitzung zum Bürgermeister der Gemeinde Bergholz-Rehbrücke gewählt, und trat am 01.01.1990 meinen Dienst an.
Am 01.10.2010 bin ich in den Ruhestand getreten.
Es war eine ungeheuerlich spannende aber auch stressige Zeit, aber ich möchte sie nicht missen.

Die friedliche Revolution hat in Bergholz-Rehbrücke bereits 1989 schon gesiegt und das war meine gößte Motivation über die ganzen Jahre.

Gerhard Ling

Bürgermeister im Ruhestand 

von 1990  bis. 1992  Bürgermeister von Bergholz-Rehbrücke
von 1993  bis  2003  Amtsdirektor des Amtes Rehbrücke
von 2003  bis. 2010  Bürgermeister der Gemeinde Nuthetal




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